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Bortniki

Oblast Iwano-Frankowsk, Tlumatzki Rayon

Einzelgrablage eines deutschen Offiziers.

Befragungsprotokoll Bortniki

24.07.2009

ca. 13.00 - 18.30 Uhr

Ort: Bortniki

Rayon: Tlumatzki, Oblast: Ivano-Frankowsk

Augenzeuge, geboren und wohnhaft in Bortniki, geb. 1932

Er berichtete, dass es in unmittelbarer Ortsumgebung sehr viele Grablagen sowjetischer und deutscher Armeeangehöriger gibt. Diese wurden i.d.R. durch Ortsansässige bestattet, allerdings sind die meisten dieser Stellen in Vergessenheit geraten bzw. die Leute, die die genaue Lage noch wissen, sind bereits verstorben.

Die zu Beginn anwesende Enkelin des Augenzeugen berichtete von einer Exhumierung etwa im Dorfzentrum, konnte sich jedoch nicht mehr erinnern, an welcher Stelle genau, durch wen und wieviel exhumiert wurde, da dies bereits einige Jahre zurück lag.

Augenzeuge berichtete, dass er als etwa 12jähriger Junge gemeinsam mit seiner Mutter am Waldrand einen toten deutschen Offizier gefunden habe. Diesen haben sie bestattet. Da die Erde noch teilweise gefroren gewesen sei, konnte er wohl nur sehr flach bestattet werden, anschließend wurde die ausgekratzte Erde aufgehäuft zu einem kleinen Grabhügel. Es sei auch en kleines Kreuz aus Astwerk errichtet worden. Da dieses später öfter wieder entfernt wurde, habe er die Grablage in den nächsten Jahren noch zweimal mit einem kleinen Holzkreuz versehen.

Soweit er sich erinnere, wäre die Bestattung etwa am 20. April 1944, auf jedem Fall aber nach dem 15.04.1944 gewesen. Auch erinnere er sich, dass in diesem Jahr die Frühlingsperiode sehr spät eingesetzt hätte (daher wäre auch der Boden noch gefroren gewesen) und zu dieser Zeit wären hier Stellungen deutscher Truppen gewesen, während die sowjetischen Truppen etwa bei Shukow konzentriert gewesen wären.

Die Grablage hätte sich unmittelbar am Waldrand befunden, nur wenige Meter von einer Straße entfernt. Etwas weiter in den Wald hinein waren Stellungen eingegraben, ein wenig südlicher hätte es Unterstände und so etwas ähnliches wie Bunker gegeben. Davon existiert jetzt nichts mehr, auch die Straße gibt es nicht mehr, jetzt ist hier alles Wald.

Ein Stück weiter entfernt vom Dorf wäre die Straße durch deutsche Truppen vermint gewesen. In dieses eigene Mienenfeld sind im Laufe der Kampfhandlungen die deutschen Soldaten selbst hineingeraten. Er selbst hat dort die Leichen von 10 deutschen Soldaten liegen sehen, als er mit seiner Mutter in das Dorf Seleniwka gegangen ist. Diese Leichen haben fast drei Monate dort an dieser Stelle gelegen und waren später schon teilweise verwest und ganz aufgedunsen, weil sich niemand getraut hatte, die Toten zu bergen und zu bestatten. Er erinnert sich noch an den Anblick, es wären noch ganz junge Menschen gewesen, in Uniform mit Stahlhelm und Waffen. Erst im Sommer seien sie dann mit Erde bedeckt worden, aber was weiter mit den Getöteteten passiert sei, wisse er nicht.

Bei der Einzelgrablage im Wald wisse er noch, dass es sich um einen Offizier gehandelt habe, entweder ein Oberleutnant oder ein Hauptmann, da sei er sich nicht mehr sicher. Etwas später wurde das Grab durch Jugendliche aus Bortniki wieder geöffnet, um nach Wertsachen zu suchen. Bei diesen Jugendlichen habe es sich um die Söhne der Direktorin der Schule, Hajdukowa, gehandelt. In der Grablage habe sich in der Uniform eine Zigarrenkiste gefunden. Diese habe Papiere und Dokumente, einen Ehering und ein Fläschchen Kölnisch Wasser enthalten. Es wurden dem Grab nur die Wertsachen entnommen, Knochen nicht. Von den Fundstücken habe er aber nichts abbekommen, er war nur zugegen.

Nach seiner Erinnerung war Bortniki etwa drei Monate von deutschen Kampfverbänden besetzt. Es kam auch mehrfach zu teilweise recht heftigen Kämpfen. Die Erstversorgung von Verwundeten erfolgte in einem Haus im Dorf, dort verstorbene wurden zum Friedhof nach Koroliwka gebracht. Dort würden etwa 200 Gefallene bzw. verstorbene Verwundete liegen, früher an Grabstätten mit einfachen Birkenholzkreuzen, jetzt ohne Kreuze. Andere Verwundete wurden mit Sanitätskraftwagen abtransportiert, seines Wissens nach in ein Hospital nach Tlumatsch.

Bei den Kämpfen um Bortniki gab es auch eine größere Anzahl von deutschen Gefangenen. Diese wurden nach dem Vormarsch der sowjetischen Armee dann in ein Gefangenenlager hinter Ivano-Frankowsk verbracht. Bei Ivano-Frankowsk soll es mehrere solcher Lager gegeben haben.

Etwa Mitte der 70er Jahre wurden durch die sowjetische Armee in der Gegend von Bortniki Grablagen sowjetischer Soldaten gesucht und gefundene exhumiert. Ein großer Teil wurde in Bortniki wiederbestattet und ein Denkmal errichtet. Seines Wissens wurden aber alle als deutsche Gefallene erkannte Überreste an Ort und Stelle belassen und nicht umgebettet.