zurück zur Liste

Saporoschje (ukrainisch Запоріжжя; deutsch auch Saporischja oder Saporishshja, russisch Запорожье/Saporoschje, früher ukrainisch Olexandriwsk, russisch Alexandrowsk) ist eine Stadt in der südlichen Ukraine mit 776.918 Einwohnern (2010). Saporischschja liegt 70 km südlich der Stadt Dnipropetrowsk am Dnepr (ukrain. Dnipro) .

karte-saporoshje

Hier war im und nach dem Zweiten Weltkrieg der Standort des Kriegsgefangenenlagers 100, Zaporodsche, für deutsche Kriegsgefangene.

Die Uprawlenije 414 bestand vom 27. Juli 1945 bis 03. Januar 1950 und hatte eine Kapazitätt zwischen 5800 und 16.000 Personen. Erster Standort war Beresan. Ab 04. Oktober 1945 befand sich die Lagerverwaltung zunächst in Kiew, ab etwa Herbst 1948 in Saporoshje.

Schwer Erkrankte wurden im Kriegsgefangenenhospital 1149 (erhielt später die Nummer 8149) in Saporoshje, Ordshonikidse-Stadtbezirk, versorgt. Bis Oktober 1946 sollen hier etwa 16000 Mann verstorben sein, ab Ende 1946 bis zur Auflösung noch 875 Man. Die hohe Sterblichkeit in der Anfangszeit zwang zur Anlage von Massengräbern, für zuletzt Verstorbene wurde ein Friedhof angelegt, auf dem 3267 Gefangene bestattet sind, davon 2355 Deutsche.

Auf verschiedenen Friedhöfen für Kriegsgefangene sind über 35.000 Tote in Einzel- oder Massengräbern beigesetzt.

Weitere: Kgf.-Hospital 5374 Sofjewka bei Saporoshije. Hier verstarben vom 25.12.1944 - 27.09.1946 etwa 3000 Mann. Laut Findbuch S. 360 wird dem Lazarett eine Grabstätte mit 436 Grablagen (davon 304 Personen deutscher Nationalität) für den Zeitraum 1944 - 1946 zugeordnet.

Kgf.-Hospital 5919 Sowchos Spartak (bei Orechow), Betriebszeit 1944 bis 1946. Diesem Lazarett wird eine Grabstätte mit 473 Grablagen (davon 350 Personen deutscher Nationalität) zugeordnet.

aus Teil II der DRK-Dokumentation "Zur Geschichte der Kriegsgefangenen im Osten" von 1958. Darin werden folgende Heimkehreraussagen aufgeführt (S. 170f):

"Ich war Soldat der 253. I. D. und geriet am 19. Juli 1944 westlich von Kowel in russische Gefangenschaft. 14 Tage war ich in Kowel, dann wurde ich am 12. August 1944 über Kijew weiter nach Saporoshje gebracht. Als ich am 20. August 1944 dort ankam, waren dort schon 7 Lager mit deutschen Kriegsgefangenen. Die Nummer des Lagers war 7100/1 bis /7. In diesen sieben Lagern waren im Herbst 1944 ungefähr 30.000 bis 35.000 deutsche Kriegsgefangene. Als der Winter 1944/45 vorbei war, lebten aber nur noch ungefähr 12.000 bis 15.000.
Ich kam am 2. September 1944 in das Lager 7100/2, dort waren damals um die 2.000 Mann im Lager. Am 1. April 1945 war gerade Ostersonntag, als Zählappell war, da waren noch 650 Kameraden im Lager am Leben geblieben. Täglich starben bei uns im Lager 10 bis 15 Kameraden, und die meisten an Unterernährung."

"Für die Uprawlenije* 7100 Saporoshje werden übereinstimmend Todesziffern genannt, die sich zwischen 20.000 und 40.000 Mann bewegen. Wenn diese Todesziffern auch wesentlich voneinander abweichen, so ist hieraus doch zu erkennen, daß die Sterblichkeit in diesem Gebiet 1944/47 sehr hoch gewesen sein muß. Zweifellos befinden sich unter den Toten auch viele nichtdeutsche Kriegsgefangene und viele Zivilinternierte, da im Donbass zahlreiche Internierungslager stationiert waren (Hinweis)."

"Im Kriegsgefangenenhospital Saporoshje 1149 (später 8149) sind bis Oktober 1946 ca. 16.000 Mann verstorben, während ab 1946 bis zur Auflösung des Hospitals nur noch 875 Mann ums Leben kamen. Die große Sterblichkeit in der Anfangszeit zwang zur Anlage von Massengräbern. Für die zuletzt Verstorbenen wurde ein Friedhof angelegt."

"Im Kriegsgefangenenhospital 5374 Sofjewka bei Saporoshje verstarben vom 25. Dezember 1944 bis 27. September 1946 etwa 3.000 Mann."


Im gleichen Band wird auch über Friedhöfe bei Saporoshje berichtet (S. 349):

"Saporoshje (Donezbecken)

Der Friedhof vom Lager 7100/1 beherbergt 1.200 Tote, der Friedhof vom Lager 7414 ca. 3.000 Tote in Massengräbern, außerdem etwa 1.800 Einzelgräber. Ferner wird berichtet, daß sich ein Friedhof für Kriegsgefangene im nördlichen Industriegebiet befinde, auf dem ca. 20.000 Kriegsgefangene aller Nationalitäten beerdigt wurden. Ein weiterer Friedhof wurde beim Lager 7100/3 angelegt. Die Zahl der hier zur Ruhe gebetteten Kriegsgefangenen soll ebenfalls sehr hoch gewesen sein. Einzelne Gräber von verstorbenen Kriegsgefangenen sollen sich außerdem auf dem russischen Zivilfriedhof befinden. Schließlich gibt es noch Friedhöfe bei den Lagern 7100/4 und 7100/7, letzteres unmittelbar am Dnjepr. Kriegsgefangene, die während der Arbeit beim Bau der Straße Saporoshje-Melitopol verstarben, wurden im angrenzenden Gelände begraben. Die Aussagen über die Pflege und Kennzeichnung der Gräber weichen sehr voneinander ab. Festzustehen scheint nur, daß eine Registrierung der Toten zur Zeit der hohen Sterblichkeit in den Jahren 1944 bis 1946 nicht möglich gewesen ist. Später haben die Lagerverwaltungen versucht, die Verstorbenen namentlich in Listen festzuhalten und ihre Gräber einigermaßen pflegen zu lassen. Der verhältnismäßig häufige Wechsel der Lagerbesatzungen machte es jedoch anscheinend unmöglich, sich über diese Fragen ein genaues Bild zu verschaffen."

Für die Uprawlenije 7100 Saporoshje werden übereinstimmend Todesziffern genannt, die sich zwischen 20 000 und 40 000 Mann bewegen.

Wenn diese Todesziffern auch wesentlich voneinander abweichen, so ist hieraus doch zu erkennen, daß die Sterblichkeit in diesem Gebiet 1944/47 sehr hoch gewesen sein muß. Zweiffellos befinden sich unter den Toten auch viele nichtdeutsche Kriegsgefangene und viele Zivilinternierte, da im Donbass zahlreiche Internierungslager stationiert waren.

Zweiglager der Uprawlenije 414:

Nummer
Standort
Betriebszeitraum
Kapazität
Standortverlegung
Bemerkungen
414/1 Beresan Juli 1945 - Jan. 1950 900 - 3000 Losowatka, danach Kiew
414/2 Darniza + Borispol Juli 1945 - Juli 1949 300 - 3000 Dorogoi (Saporoshje)
414/3 Darniza + Borispol Sept. 1945 - Jan. 1950 500 - 4500 Nadeshdino
414/4 Beresan + Borispol Aug. 1945 - Jan. 1950 700 - 2000 Choroschowo (Saporoshje)
414/5 Beresan + Panfily Aug. 1948 - Jan. 1950 600 - 1700 Warwarowka (Dnepropetrowsk)
414/6 Panfily (b. Kiew) Aug. 1946 - Jan. 1950 300 - 1500 Warwarowka (Dnepropetrowsk), danach Lubny (Poltawa), danach Borschtschoe (Ternopol)
414/7 Ljubotin + Silno (b. Charkow) Aug. 1946 - April 1949 500 - 600 Sowchos 219.km (b. Saporoshje)
414/8 Browary Aug. 1946 - Dez. 1949 500 - 800 Ternowka (Saporoshje)
414/9 Kiew April 1948 - Okt. 1949 300 - 600 Lewschino-Michajlowka (Saporoshje)
414/10 Petro-Michajlowka Dez. 1948 - Juni 1949 500
414/11 Georgijewski Dez. 1948 - Dez. 1949 800
414/12 Matwejewski Dez. 1948 - Dez. 1949 500
414/13 Balabino Dez. 1948 - Juni 1949 500
414/14 Mokraja Dez. 1948 - Dez. 1949 1200
414/15 Grigirjewka Dez. 1948 - Jan. 1950 700
414/16 Petro-Michajlowka Dez. 1948 - Dez. 1949 500